­58. Theatertreffen

Theatertreffen präsentiert digitalen Showcase: „Stages Unboxed“

 

Während im vergangenen Jahr in einer Reihe von Gesprächen der Status quo digitaler Theaterkunst diskutiert wurde, zeigt das Festival dieses Jahr am 19. und 20. Mai 2021 vier künstlerische Arbeiten, die jede auf ihre ganz eigene Weise das Potenzial von Theater im Netz erlebbar machen. „Stages Unboxed“ ist der neue digitale Showcase des Theatertreffens der Berliner Festspiele und führt die 2020 begonnene Kooperation mit der Akademie für Theater und Digitalität und der Initiative Digitale Dramaturgie fort.

Im Live-Reenactment seiner eigenen Lecture Performance stellt Arne Vogelgesang in „Es ist zu spät“ die Wirksamkeit von Theater angesichts der Klimakatastrophe in Frage. Fünf Jahre Dokumentation eines gesellschaftlichen Umbruchs, fünf Jahre Aufklärung, Positionsbestimmung, Leben an der Armutsgrenze. Kursorisch nähert sich der Monolog dem politischen Versagen und setzt das Politische ins Verhältnis zur eigenen Theaterarbeit. Das Theatertreffen zeigt die interaktive Livestream-Fassung von „Es ist zu spät“ von internil (Arne Vogelgesang und Marina Dessau), entwickelt für das Impulse Theater Festival und den Theaterdiscounter Berlin.

Mit „UNDER PRESSURE“ reagiert das Theaterkollektiv Henrike Iglesias auf den Leistungsdruck turbokapitalistischer Gesellschaften. In einer interaktiven Wettbewerbsshow, inspiriert von populärem Reality-TV, treten die Performerinnen gegeneinander an. Das Publikum entscheidet per App, wer den Leistungskategorien am besten standhält. Das Stück stellt das Diktat von Belastbarkeit, Selbstoptimierung und Stressresistenz auf den Prüfstand.

Die Gruppe Teatro en Red zeigt in einer Zoom-Performance Dokumentartheater. „Las Travesías (The Crossings)“ erzählt von sechs venezolanischen Performerinnen, deren Lebensläufe sich aufgrund politischer Entwicklungen verändert haben und erforscht das Phänomen der jüngsten venezolanischen Migration am Beispiel ihrer Familiengeschichten. Nach unzähligen Umzügen und konstantem Wandel bleibt die Frage, ob es überhaupt möglich ist, eine neue Identität anzunehmen.

Bereits in den ersten Monaten der Pandemie forschte das Team von minus.eins in Kooperation mit dem Schauspiel Dortmund und der Akademie für Theater und Digitalität am digitalen Theatererlebnis und widmete sich u. a. der Frage, wie der Echtzeit-Dialog von Publikum und Künstler*innen im digitalen Raum funktioniert und welche theatralen Erzählweisen rein virtuelle Landschaften dem Theater ermöglichen. Die VR-Performance „Das HOUSE – ReInventing the Real“ lädt zu einer interaktiven Führung durch digitale Städte und Theater und liefert so einen einmaligen Blick in virtuelle Zwischenwelten.

„Stages Unboxed“ wird begleitet von einem diskursiven Programm. Am 20. Mai spricht Thomas Oberender mit Arne Vogelgesang über „Theatralität und Körper im digitalen Raum“. Im Anschluss an die digitalen Aufführungen finden Nachgespräche mit den Künstler*innen statt. Die Initiative Digitale Dramaturgie begleitet den digitalen Showcase mit einer eigenen Podcast-Reihe.

 

Infos zum Spielplan hier.