Seit ihrer Gründung 2019 hat sich die Akademie für Theater und Digitalität lokal, überregional und international als zentrale Anlaufstelle in Kultur, Wissenschaft und Lehre etabliert. Sie ist als Beraterin bei einer ganzen Reihe nationaler (kultur)politischer Institutionen und kulturpolitischer Projektentwicklerin anerkannt und fungiert als Anlaufstelle für Fachwissen und vor allem als international herausragendes künstlerisches Forschungsinstitut und Netzwerk-Knotenpunkt.
Auch in der Spielzeit 2026/27 begreift die Akademie für Theater und Digitalität digitale Transformation nicht ausschließlich als technologische Entwicklung, sondern explizit als künstlerisches Handlungsfeld. In der Zusammenarbeit mit lokalen, nationalen und internationalen Partner*innen entstehen Konstellationen, in denen Datenökosysteme, kreative Praxis und gesellschaftliche Verantwortung systematisch ineinandergreifen. Daraus formiert sich ein dynamischer Raum, der künstlerische Produktion, institutionelle Strukturen und digitale Innovation neu miteinander verzahnt.
Während sich kulturelle Institutionen an der Schwelle neuer Realitätsräume positionieren, zeigt sich der Anspruch der Akademie besonders im Umgang mit datenbasierten Innovationsprozessen und im Erforschen der Beziehungen zwischen Menschen und KI-gesteuerten Systemen. Mit Projekten wie EXCENTRIC entsteht eine Infrastruktur, die Kulturorganisationen beim Übergang in eine intelligente und auf den Menschen ausgerichtete digitale Praxis unterstützt. Die Beteiligten entwickeln Werkzeuge, die Programmplanung, Ressourcenorganisation und Publi kums arbeit nicht nur technisch optimieren, sondern als kulturelle Gestaltungsaufgaben neu rahmen. Gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern entwickelt die Akademie einen Piloten, der KI-gestützt Daten von Zuschauer*innen live in kompositorische Elemente überführt.
Das dreijährige Projekt [Who] Rules To Encounter fragt danach, wie zukünftige Begegnungen mit humanoiden Robotern ästhetisch, ethisch und körperlich verständlich gestaltet werden können. In Kooperation mit der Künstlerin und Choreografin Silke Grabinger sowie Tänzer*innen des NRW Juniorballett und des JugendTanzTheater (beide am Theater Dortmund) sowie Studierenden und inklusiven Gruppen entstehen neue Formen der Interaktion unter veränderten technologischen Bedingungen. Diese erweitern das Spektrum möglicher Begegnungen und werden mithilfe generativer KI analysiert, transformiert und weiterentwickelt. Sie bilden zugleich die Grundlage neuer choreografischer Ansätze. Forschende mehrerer Universitäten aus Dortmund, Wien und Linz begleiten diesen Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft, aus dem Performances entstehen, die den Menschen in der Begegnung mit der Maschine in eine sinnlich erfahrbare Begegnung mit sich selbst bringt: Wie können wir unsere Menschlichkeit im Angesicht einer neuen Spezies bewahren?
Parallel dazu wirkt die Akademie auf europäischer Ebene an der Entwicklung von Zukunftskompetenzen für Theaterhäuser mit. Im ETC Digital Theatre Programme entstehen Fortbildungen, die digitale Technologien als integralen Bestand- teil zeitgenössischer Theaterarbeit vermitteln. Zugleich eröffnet das Theater der erweiterten Realitäten am Theater an der Ruhr (Mülheim) Arbeitsräume, in denen KI, immersive Szenografie und Virtual Reality zu einem neuen Verständnis von Bühnenwirklichkeit beitragen. Hier wird erprobt, wie sich Narrative verändern, wenn das Virtuelle mit dem Realen verschmilzt, und welche Formen des Erlebens daraus hervorgehen.
So verbinden sich unterschiedliche Forschungs- und Praxisfelder zu einem Ganzen, in dem Theater zum Labor, Technologie zum Werkstoff und Gesellschaft zur Mitgestalterin wird. Die Akademie für Theater und Digitalität übernimmt dabei eine vermittelnde Rolle: Sie arbeitet eng mit (inter-) nationalen Partner*innen der Ars Electronica, den Bayreuther Festspielen, Theatern in Mülheim und Gelsenkirchen sowie dem PAD Festival in Wiesbaden und der Berlin Science Week zusammen und trägt so diese Entwicklungen aktiv in die Zukunft der perform ativen Künste. Ein zentraler Baustein ist der international ausgerichtete Masterstudiengang Theatre and Digitality, den die Akademie mit der Fachhochschule Dortmund anbietet. Er vereint Theater, Kunst und Informatik und bezieht Darsteller*innen, Geschichten, Bühnen und Technologie gleichermaßen ein. Studierende erforschen und entwickeln digitale Technologien für die performative Kunst und erwerben ein breites Spektrum an theoretischen, praxisorientierten und berufsqualifizierenden Kompetenzen – von MenschMaschine- Schnittstellen bis zum Einsatz von Machine Learning auf analogen, virtuellen und hybriden Bühnen. Ziel ist es, Forschung, Lehre und künstlerische Praxis direkt miteinander zu verbinden und neue Formate an der Schnittstelle von Technologie und Performance zu erproben.
Darüber hinaus berät die Akademie das Deutsche Theatermuseum München bei seiner kommen- den Ausstellung Theater & Digitalität, die ab Herbst 2026 unter anderem auch Projekte aus dem Umfeld der Akademie präsentiert. Für die Ars Electronica in Linz sowie das australische Medienkunstfestival Experimenta unterstützt die Akademie den australischen Künstler Kenneth Lambert mit einer Residenz in Dortmund. In seiner Installation Maximum Limit erzeugt Lambert eine instabile Wetterökologie aus Licht, Klang und Nebel, die auf die Bewegungen der Besucher*innen reagiert. Präsentiert wird die Arbeit im Rahmen des weltweit bedeutendsten Medienkunstfestivals in Linz – ermöglicht durch die Zusammenarbeit von Experimenta, Ars Electronica und der Akademie.
Durch diese Partnerschaften und viele weitere Projekte verbindet die Akademie prototypische Forschung, iterative Entwicklung und künstlerische Praxis und schafft somit notwendige Grundlagen, um Theater für die Zukunft zu gestalten.