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Interrobang Performance

Enter the Blackbox

Enter the Blackbox überträgt das technologische Problem der Intransparenz von KI in den Raum der Theaterblackbox: Die Blackbox wird zum Labor, in dem Wahrscheinlichkeits- und Vektorlogiken, Trainingsprozesse und Entscheidungsarchitekturen performativ „ent-blackboxt“ werden. Deep Society richtet den Blick auf die gesellschaftlichen Folgen einer wahrscheinlichkeitsbasierten Ordnung: strukturelle Ungleichheiten, Bias, Ausschlüsse und die Verantwortlichkeitslücke, die entsteht, wenn automatisierte Systeme handeln, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu können. Artificial Theater Intelligence schließlich unternimmt den Versuch, eine „Theater-KI“ als Multi-Agenten-System (AGI) zu entwickeln, zu trainieren und auf der Bühne zu erproben: Wenn Text, Licht, Ton und Bühne von unterschiedlichen KIs gesteuert werden, wird Theater selbst zum Testfeld für Delegation, Kontrolle und künstlerische Autorschaft. 

Gemeinsam bilden die drei Projekte einen Entwicklungsbogen der performativen “Ent-Blackboxung” von KI über die Verhandlung ihrer gesellschaftlicher Konsequenzen bis zur szenischen Erprobung einer KI-gesteuerten Theaterpraxis. 

Enter the Blackbox ist eine kritische Performance- und Laboranordnung zur Frage, wie die Blackbox-Effekte aktueller KI-Systeme gesellschaftliche Wirklichkeiten formen – und warum gerade diese strukturelle Intransparenz politische, ökologische und psychosoziale Schäden begünstigt. Ausgehend von Debatten zum Zusammenhang von Opazität, Macht und autoritären Tendenzen (u. a. Rainer Mühlhoff) versteht das Projekt KI als konflikthaften, ökonomisch getriebenen und für Manipulation und Machtmissbrauch anfälligen Apparat. Wo Transparenz fehlt, wird demokratische Kontrolle erschwert; Diskriminierung, Umweltschäden und Machtkonzentration bleiben unsichtbar. Zugleich prägt ein Gefühl des „known-unknown“ die digitale Gegenwart: Wir wissen, dass Wissen produziert wird, können es aber nicht einsehen – eine diffuse Verunsicherung, die politisch ausgenutzt werden kann. 

Die theatrale Blackbox wird zum Experimentierraum für Strategien der Sichtbarmachung. Das Publikum betritt buchstäblich einen schwarzen Theaterraum und zugleich symbolisch die KI-Blackbox. In Zusammenarbeit mit der Bühnenbildnerin Sandra Fox entsteht ein begehbares Raum-Diagramm: gespannte Schnüre zeichnen Achsen, Netzwerke und Knoten; Nebel und Laserlinien markieren Zonen, Distanzen, Cluster und „Wahrscheinlichkeitswolken“. Der Abend folgt einer Reihe von Experimenten (Input → Mapping → Training → Output). Das Publikum bringt Stichworte, Beispiele und kurze Aussagen zu Themenfeldern wie Sicherheit, Arbeit, Intimität, Ressourcen oder Öffentlichkeit ein und kann in bestimmten Passagen selbst zu „Tokens“ werden: Menschen positionieren sich im Raum, Nähe und Distanz werden zu Bedeutungsrelationen. Daraus formiert sich ein analoges neuronales Netzwerk, in dem Verbindungen hergestellt und kollektiv gewichtet werden (verstärken, abschwächen, löschen). 

Performer:innen und Beteiligte übernehmen dabei Rollen, die aus dem Training maschineller Modelle bekannt sind (Filter, Annotation, Moderation): Inputs werden sortiert, priorisiert, „gereinigt“, überrepräsentiert oder ausgeschlossen. So wird erfahrbar, wie Bias entsteht, wie Normen in Trainingsdaten eingeschrieben werden und wie „Sicherheit“ oder „Ethik“ als Moderationslogik Macht verschiebt und Konflikt glättet. Aus dem so „trainierten“ Netzwerk entstehen verdichtete Outputs: räumliche Anordnungen, Regeln und Spielszenen, die live umgesetzt und erneut verändert werden. Die Blackbox wird nicht „gelöst“, sondern als umkämpftes Feld von Erkenntnis, Kontrolle und Verantwortung erfahrbar – und lädt ein, Handlungsmöglichkeiten in körperlicher Präsenz zurückzuerobern. 

Manus Nijhoff (1993) ist ein niederländischer Medienkünstler und Entwickler mit Sitz in Berlin. Ausgebildet als Grafiker, bewegt er sich seit Jahren an der Schnittstelle von Gestaltung, Code und performativer Kunst. Mit der Berliner Theatergruppe Interrobang entwickelte er interaktive, KI-explorative und kritische Arbeiten wie Commune AI, Chatbot Challenge und AI Democracy, bei denen er sowohl als Entwickler als auch auf der Bühne mitwirkte. Als Technical Artist bei Spielestudio Moving Castles war er verantwortlich für This Cursed Machine und rat.fun. Seine Praxis verbindet technische Tiefe mit einem Gespür für die komischen Verhältnisse zwischen Roboter, fließender Texte und menschlichen Erfahrungen.

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