Die Akademie für Theater und Digitalität ist ein Ort, an dem künstlerische Praxis und technologische Entwicklung untrennbar miteinander verbunden sind. Unsere Forschungen beschäftigen sich mit der Frage, wie sich Theater unter den Bedingungen tiefgreifender technologischer Veränderungen weiterentwickelt: ästhetisch, strukturell und institutionell. Ein Schwerpunkt der kommenden Spielzeit ist die künstlerische Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz. Im Fokus steht eine reflektierte Praxis: Fragen nach Autor*innenschaft, Verantwortung, Interaktion und nach dem Theater als sozialem Raum unter digitalen Bedingungen.
Parallel dazu hat die Akademie ihre program matische Ausrichtung weiter geschärft. Die Transformation von einer offenen freien künstlerischen Forschung hin zu klar definierten, langfristigen Arbeitsschwerpunkten ist gelungen. Die Projekte bewegen sich von intensiven Sprints bis hin zu mehrjährigen Forschungszusammenhängen. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung einer „Interaktiven Toolbox“ für die Theaterlandschaft, die gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern bis 2027 im Rahmen des HorizonEurope-Projektes EXCENTRIC entwickelt wird sowie ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes künstlerisches Forschungsprojekt mit der Künstlerin und Choreografin Silke Grabinger, das bis 2028 die Möglichkeiten von humanoider Robotik und KI im künstlerischen Zusammenspiel mit dem Menschen untersucht.
Auch im Bereich der Lehre setzt die Akademie ihre Arbeit fort. Der gemeinsam mit der Fachhochschule Dortmund etablierte Masterstudiengang „Theater and Digitality“ geht in weitere Semester und erfährt anhaltend große internationale Resonanz. Die Akademie baut ihre Netzwerke gezielt weiter aus – sowohl international, etwa in Kooperationen mit Südamerika, Australien und europäischen Staaten, als auch national und lokal. Auch arbeitet sie eng mit den anderen Sparten des Hauses zusammen. So entwickelt sie ab der kommenden Spielzeit eine langfristige Kooperation mit dem Ballett Dortmund, in der Fragen von Körper, Technologie und digitaler Praxis exemplarisch verhandelt werden.
Ein besonderer Höhepunkt ist die Premiere des Jubiläumsrings RING 10010110 im Sommer 2026 anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Bayreuther Festspiele. Die Kooperation zwischen den Festspielen und der Akademie für Theater und Digitalität markiert einen Meilenstein: Neue bildgebende Verfahren durch den Einsatz live-aktiver Künstlicher Intelligenz werden hier erstmals konstitutiver Bestandteil dieses Zyklus. Der Jubiläumsring steht exemplarisch für den Anspruch, technologische Forschung und zeitgenössische künstlerische Praxis im Zentrum einer der traditionsreichsten Institutionen der Hochkultur zu verankern. Ich freue mich über das Vertrauen und die Ehre, dieses Projekt in diesem Kontext als Kurator mitzugestalten.
Die Akademie für Theater und Digitalität versteht sich damit als Ort des kontinuierlichen Denkens, Forschens und Entwickelns sowie als Partnerin für ein Theater, das seine Zukunft nicht im Gegensatz zur Tradition entwirft, sondern aus ihr heraus weiterdenkt.
Marcus Lobbes
Intendant der Akademie für Theater und Digitalität